„Du verziehst dein Kind“

Ein Satz, den ich besonders im ersten Jahr ziemlich oft zu hören bekam. Nicht nur von fremden Menschen, sondern auch von denen, die mir sehr nahe stehen. Ich schrieb bereits schon einmal über die Sache mit dem Schreien lassen und dass ich mein Kind eben nicht schreien lassen möchte. Schon vor einiger Zeit notierte ich meine Gefühle dazu und möchte das nun nochmal aufnehmen.

Als Sophia fünf Monate alt war, schrieb ich folgende Gedanken nieder: „Nach wie vor ist es mir ein Graus und ich kann es einfach nicht hören wenn Sophia schreit. Daher bin ich in der Regel gleich zur Stelle wenn mein Kind ruft und nehme sie auf den Arm. Reagiere ich mal nicht sofort (weil ich auf der Toilette bin oder gerade ein Fläschchen vorbereite, …) wird sie richtig zornig und hysterisch. Und ich fühle mich überfordert.
Ist es falsch Sophia immer direkt auf den Arm zu nehmen (das ist in der Regel was sie beruhigt)? Sollte ich sie vielleicht doch mal schreien lassen? Hat sie mich schon „im Griff“? Ist sie überhaupt schon in der Lage zu lernen, dass es eben nicht immer nur nach ihrem Willen geht? Und ziehe ich mir einen kleinen Tyrannen, wenn ich dem jetzt nicht entgegen steure? Es macht mich einfach stutzig, dass mir alle den Eindruck vermitteln, ich würde mein Kind verziehen. Und dass Sophia so oft mit Jähzorn (?) reagiert macht mich noch unsicherer.“
Ich weiß noch genau wie verzweifelt ich damals war, weil mir so viele Leute klar machen wollten, dass ich Sophia total verziehe und mein Handel nichts anderes bringen würde als ein verzogenes Kleinkind. Aber sie einfach weiter schreien zu lassen brachte ich einfach nicht über´s Herz. Es fühlte sich grausam an! Also eilte ich weiterhin zu meinem Kind wenn es schrie. Und auch wenn ich hinter meinem Rücken als viel zu weich bezeichnet wurde, ließ ich mein Kind nie länger als unbedingt nötig schreien. Teilweise war das ziemlich hart für mich und hat mich viel Kraft gekostet, besonders in den berühmt-berüchtigten Schüben, wo Sophia quasi den ganzen Tag über geschrien hat. Aber irgendwann, ich kann gar nicht mehr genau sagen wann, hat sich etwas verändert. Es waren nicht mehr nur verzweifelte Babyschreie, es waren plötzlich kleine Wutausbrüche, weil der Deckel der Dose nicht aufging, Hilfeschreie, weil sie irgendwo feststeckte, Hungerschreie, weil das Essen nicht schnell geug fertig war, … kurz: nicht mehr jeder Schrei benötigte meine sofortige Anwesenheit. Sophia lernte (oder besser lernt immernoch) mit ihren Gefühlen umzugehen, so dass ich nicht bei jedem Wutausbruch sie sofort auf den Arm nehmen muss.

Die wichtigste Erkenntnis aber, war nicht etwa, dass ein Baby eben nicht immer ein hilfloses kleines Wesen bleibt. Nein die kam eher zufällig, als mich Eltern aus unserer Spielgruppe ansprachen. Sie staunten was für eine selbstständige und selbstsichere kleine Persönlichkeit Sophia ist. Während die meisten anderen Kinder ihren Müttern nicht von der Seite weichen, geht Sophia zielstrebig ihre eigenen Wege und entfernt sich dabei durchaus auch mal etwas weiter. Es scheint nicht wichtig zu sein, dass sie mich im Blick hat. Sie ist so selbstsicher, hat ein unfassbares Vertrauen in sich und die Welt! Und auf einmal ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen … Mein Tochter hat ein solches Urvertrauen, weil sie sich sicher ist, dass selbst wenn ich nicht in ihrer Nähe bin, sie nur nach mir rufen muss und ich komme!

Ich habe mein Kind nicht verwöhnt oder verzogen! Ich habe meinem Kind das nötige Vertrauen geschenkt, das es brauchte, um diese große Welt entdecken zu können!

Es gibt keine Worte dafür, wie stolz mich das macht! Denn das bedeutet Vertrauen. Mein Vertrauen in sie, dass sie bereit dafür ist, die Welt zu entdecken und ihr Vertrauen in mich, dass ich immer für sie da bin, wenn sie mich braucht!
Manchmal ist es nicht einfach das richtige Maß zu finden. Was kann sie alleine machen, was muss sie vielleicht alleine tun und wo sind vielleicht doch noch Grenzen und Hilfe nötig. Aber wie es scheint, machen wir das schon ganz gut. Daher werde ich mich auch in Zukunft an meinen Leitspruch als Mutter halten:

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