Wie das Stillen zur Qual wurde

Heute gibt es ein -für mich- etwas emotionales Thema. Es geht um das Thema Stillen.
Im Monatsrückblick als Sophia drei Monate alt war, hatte ich bereits geschrieben, dass Stillen alleine Sophia nicht mehr ausreicht. Wie genau wir das festgestellt haben, was wir unternommen haben und wie meine Gefühle dabei waren, könnt ihr im Folgenden lesen.

Sophia kam, mit knappen vier Kilo, als ziemlicher Brocken auf die Welt. In den ersten Lebenstagen nahm sie einiges wieder ab und reizte das bis an die unterste Grenze aus. Meine Hebamme versicherte mir, dass das ist absolut okay sei und ich mir keine Sorgen machen müsse. Bei der U3 hatte Sophia ihr Geburtsgewicht dann auch geknackt und wog mehr als vier Kilo.
Ich sah das auch nicht problematisch. Bereits am Tag nach der Geburt hatte ich den Milcheinschuss und so viel Milch, das bei jeder Bewegung mein Hemd klitsch nass war. Sophia trank problemlos und auch Schmerzen hatte ich keine. Relativ schnell hatten wir dann auch einen Rhytmus gefunden, so dass ich sie alle drei bis vier Stunden anlegte. Sie trank dann mindestens eine halbe Stunde, in der Regel sogar eher eine Stunde.
Irgendwann machte mich diese Dauer jedoch stutzig. Sie trank wirklich 60 Minuten (ohne einschlafen oder längere Pausen), löste ich sie früher von der Brust, schrie sie wie am Spieß. Da ich jedoch keinen Vergleich hatte zu anderen gestillten Babys und ich diese langen Pausen, wie ich es empfand, genoss, lies ich es erstmal dabei bewenden. Erst als beim Rückbildungskurs die anderen Mütter Sophia als sehr zierlich bezeichneten wurde ich doch etwas nachdenklich. Im Vergleich zu anderen Mädchen in ihrem Alter und sogar im Vergleich mit sechs Wochen jüngeren sah mein Kind doch etwas klein und nicht ganz so propper aus. Aber Sophia sah nicht verhungert oder unterernährt aus, sie war lebhaft und schlief nachts auch schon ihre fünf, sechs Stunden durch. Das sprach schon mal nicht für einen akkuten Mangel. Trotzdem machte ich mir Sogren und bat meinen Mann eine Waage zu besorgen.

Der Blick auf die Waage zeigte dann auch ganz schnell: Die Kleine hatte seit der Geburt, die zu dem Zeitpunkt knappe drei Monate her war, gerademal 300g zugenommen. Mir kamen die Tränen. Mein Kind bekam anscheinend nicht genug und ich habe es nicht wirklich gemerkt. „Oh Gott, ich bin eine schlechte Mutter“ schoss es mir nur noch durch den Kopf.
Ich rief erstmal meine Hebamme an, die auch gleich zwei Tage später kam. Sie bruhigte mich erstmal (es waren viele Tränen geflossen in den zwei Tagen, das kann ich euch sagen) und meinte auch, dass Sophia nicht aussehe als würde sie richtig Hunger leiden müssen. Aber ihr Gewicht war trotzdem alles andere als zufrieden stellend. Die Hebamme empfahl mir einen 24 Stunden Rhytmus abzupumpen, um zu sehen was meine Tochter am Tag so trank. Wir besorgten also gleich am nächsten Tag eine Pumpe aus der Apotheke und pumpten ab. Dieser Tag war furchtbar. Sophia verstand gar nicht, warum sie nicht an meiner Brust liegen durfte und stattdessen vom Papa nur eine kümmerliche Flasche bekam. Und ich war zutiefst erschrocken, wie wenig Milch ich gab. Auf der einen Seite kam noch ein bisschen was, auf der anderen konnte ich froh sein wenn nach 30 Minuten Pumpen der Flaschenboden wenigstens bedeckt war. Noch mehr Tränen flossen. Ich konnte es nicht fassen, noch vor ein paar Wochen floss die Milch ohne unterlass aus meinen Brüsten und jetzt kam nahezu nichts mehr.
Noch am selben Abend bekam Sophia das erste Fläschchen Flaschenmilch.

Die Hebamme empfahl erstmal nur jede zweite Mahlzeit durch eine Flasche zu ersetzten, so dass wir erstmal eine Zwieernährung hatten.
Allerdings war ich so durch den Wind, dass das Stillen zunehmend zur Tortour wurde. Sophia war frustiert, weil an meiner Brust nichts kam und ich war einfach nur fertig, weil ich meine Tochter nicht ernähren konnte. Erst der Kaiserschnitt, den ich eigentlich niemals haben wollte und nun war ich nicht mal im Stande meine Tochter zu ernähren. Ich hatte eigentlich sechs Monate voll Stillen wollen und nun das.
Mein Mann sah das pragmatisch, es klappt halt nicht, dann geben wir eben Flasche. Er sagte mir ich solle froh sein, dass es in der heutigen Zeit kein großes Problem ist und man wirklich relativ einfach Flaschennahrung geben kann. Da er merkte wie sehr mir das an die Nieren gieng und wie sehr ich mit mir haderte, bestärkte er mich ganz abzustillen.
Was soll ich sagen? Es war für uns wirklich nur noch Quälerei und ich beschloss schweren Herzens abzustillen.
Da auf der einen Seite eh keine Milch mehr kam, ging das Abstillen auch sehr schnell. Anfangs trauerte ich noch sehr der Intimität nach, aber wenn ich meine Tochter ansah und sah wie sehr ihr die Flaschenmilch gut tat, war ich doch froh.
Und ja, man merkte einen Unterschied. Sie war auf einmal viel besser gelaunt, brabbelte viel mehr, schlief tagsüber nicht mehr so viel und ihre Windeln waren auch wesentlich voller. Innerhalb von einer Woche nahm sie 700g zu. Und seitdem geht es rapide aufwärts.

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Wir beendeten das Stillen also mit einem Lachenden und Weinenden Auge. Auch wenn ich bis heute mit mir hadere, meinem Kind nicht den Start ins Leben geben zu können, den ich mir für sie vorgestellt hatte. Es sticht nach wie vor, wenn ich sehe wie propper andere gestillte Babys sind. Aber ich habe mein Bestes getan und es hat nicht sollen sein. Wir haben die, in unseren Augen, Beste PRE Milchnahrung aus dem großen Angebot rausgesucht, verwenden Glasflaschen und tun auch sonst alles um für Sophia nach wie vor die besten gesundheitlichen Grundsteine für ihr Leben zu legen.

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Ein Gedanke zu “Wie das Stillen zur Qual wurde

  1. Lara schreibt:

    Jeder Tropfen Muttermilch ist gut und so hat sie doch einen guten Start bekommen! 🙂
    Die Pumpmenge sagt aber gar nichts über die eigentliche Milchmenge aus, das Baby saugt nunmal viel besser und kräftiger.

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