Muttergefühle

Vier Wochen bin ich jetzt schon „Mama“ und irgendwie warte ich immernoch darauf, dass ich mich auch wie Mama fühle. Auf den großen Knall, der die ganz großen Gefühle bringt. Das ist nämlich das was ich immer gedacht habe, dass es kurz nach der Geburt „peng“ macht und mich eine riesen Welle an Muttergefühlen überrollt. Aber langsam hege ich den Verdacht, dass es keinen Knall gibt. Es ist mehr so etwas Schleichendes, das sich eher unbemerkt in mein Herz geschlichen hat. Es ist auch nicht so, dass es meine Gefühle total über den Haufen geschmissen hätte und trotzdem hat sich irgendwie alles geändert.

Ich bin nun nicht mehr alleine, mich gibt es jetzt nur noch im Doppelpack. Mit einem, meist sehr braven, aber eben manchmal auch schreienden Baby, das alle zwei Stunden gewickelt und/oder gestillt werden will. Und man kann sich sicher sein, dass sie genau dann schreit, wenn ich gerade im Bad bin oder mit meinem Mann mal fünf Minuten zu zweit genießen möchte.
Die Nächte sind entgegen aller Voraussagen ganz ok. Die Kleine schläft meist fünf, manchmal aber auch schon sieben Stunden durch, so dass sich meine Augenringe in Grenzen halten. Allerdings schläft sie nur an mich gekuschelt und partout nicht in ihrer Babybay. Ob sich das jemals wieder ändert? Überhaupt kann ich mir gerade nur sehr schwer vorstellen, dass sie irgendwann selbstständiger wird.

Der Alltag mit einem Baby besteht aber auch aus vielen Wundern. Wenn man feststellt, dass sie anfängt alles zu beobachten und am liebsten rumgetragen werden will um alles sehen zu können. Ihr erstaunter Blick, die großen, weit aufgerissenen Augen. Die Nachdrücklichkeit mit der sie den Schnuller verneint und überhaupt kund tut, dass sie jetzt gerade unzufrieden ist. Die Laute, die sie macht wenn sie zufrieden ist und die, die sie macht wenn sie aufwacht und erst das Gesicht dazu …
Das alles lässt mich dahinschmelzen. Ich kann dann nicht anders, als zu lächeln. Und während ich dann so vor mich hinlächel, erzähle ich ihr, was ich ihr alles zeigen werde, wenn sie größer ist.

Fest steht, dass die letzten vier Wochen, die aufregendsten überhaupt waren. Gespickt mit so vielen Gefühlen. Von unsagbarem Glück über tiefe Verzweiflung bis hin zu bedingungsloser Liebe. Trotzdem bin ich noch ich und mein Leben wie vorher. Schließlich wohne ich noch immer in der selben Wohnung, die immernoch genauso eingerichtet ist wie vor der Geburt und auch mein Hund liebt mich noch genauso wie vorher.
Nur diese Zweifel, ob ich eine gute Mutter bin, ob ich das alles schaffe, ob ich eine schlechte Mutter bin, weil ich jetzt schon, nach vier Wochen, manchmal genervt bin. Auf die könnte ich verzichten. Aber sie scheinen von jetzt an zu meinem Leben zu gehören, ebenso wie meine Tochter.
Trotzdem frage ich mich: Bin ich eine gute Mutter, auch wenn dieser Knall mit den alles verändernden Gefühlen bis jetzt ausgeblieben ist?

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