Und plötzlich dreht sich die Welt ein bisschen anders … (Ein Geburtsbericht)

Es ist nun schon etwas mehr als eine Woche her, dass sich unser Leben grundlegend geändert hat. Denn vor einer Woche hat unsere Tochter das Licht der Welt erblickt.
Die letzten Tage waren ein auf und ab der Gefühle, wie ich es noch nie erlebt habe. Denn noch bevor unsere Prinzessin überhaupt auf dieser Welt richtig ankam, mussten wir feststellen, dass diese kleinen Wesen einen ganz eigenen Kopf haben und wohl vieles anders läuft als man sich das im Vorfeld ausgemalt hat.

Und damit sind wir auch schon mitten drin in unserer Geburtsgeschichte.
In meiner Vorstellung hatte ich mir eine Bilderbuch-Geburt ausgemalt, nach zwei, drei kräftigen Wehen sollte das Kind in meinen Armen liegen. Ganz ohne irgendwelches Zutun von außerhalb. Ich zog zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft eine andere Art der Geburt in betracht, schließlich war meine Schwangerschaft schon so gut verlaufen, warum nicht auch die Geburt? Als die Wehen also nachts einsetzten und dann auch regelmäßig kamen, machten wir uns guter Dinge und in freudiger Erwartung auf den Weg ins Krankenhaus. In wenigen Stunden würden wir unser Kind auf dem Arm halten!
Zwölf Stunden später war der Muttermund gerade mal zur Hälfte geöffnet (optimistisch betrachtet) und wieder dachte ich: jetzt nur noch wenige Stunden, ein paar kräftige Wehen und du hältst dein Kind auf dem Arm! Doch leider sollte das nicht der Fall sein. Weitere Stunden vergingen ohne dass sich etwas tat und ich kam an den Punkt der völligen Erschöpfung.
Ab diesem Punkt sind meine Erinnerungen nur noch sehr bruchstückhaft, ich bekam vieles nur noch am Rande mit, wie ich an den Wehentropf gehängt wurde, wie die Herztöne der Kleinen schlechter wurden, wie die Fruchtblase geöffnet wurde und das Fruchtwasser grün war. Und als nach weiteren fünf Stunden der Muttermundbefund immernoch bei knapp der Hälfte lag. Ich erinnere mich nur noch an die Welle des Verzweifelns als ich den Befund hörte. Es war als hätte mir jemand alle Luft zum Atmen genommen. Ich konnte nicht mehr. Immer wieder kamen Ärzte rein und schauten sich die Situation an, berieten sich und versuchten mit mir zu sprechen. Irgendwann kam die Hebamme und sagte zu mir: „Die Kleine will nicht raus, irgendeinen Grund gibt es, warum es nicht klappt, aber den wissen wir nicht.“ Und auch mein Mann, der mir all die Stunden beigestanden hat sagte ganz ernst zu mir: „Schatz, wir lassen jetzt einen Kaiserschnitt machen, alles andere hat keinen Sinn, du hast doch keine Kraft mehr“.  Und ich wusste er hat recht. Ich war kaum mehr bei Sinnen, ich hatte wirklich keinerlei Kraft mehr. Niemals hätte ich geglaubt meinen Körper soweit in die Erschöpfung bringen zu können.
Ein Kaiserschnitt war etwas was in meinem Weltbild für mich nicht vorkam. Ich war immer der Meinung, ich bin gesund, das Kind ist gesund, das geht auch so! In dem Moment, in dem ich in den Kaiserschnitt einwilligte, war ich auf der einen Seite maßlos enttäuscht von mir selbst und auch einfach nur froh, dass das Ende absehbar ist. Es ging dann auch wirklich zügig. Ich war aber nach wie vor so erschöpft, dass ich nicht viel von der OP mitbekam und auch den ersten Augenblick, als mir die Kleine hingehalten worden ist, habe ich nur sehr am Rande mitbekommen. Erst als wir beide versorgt waren und auf die Station umgezogen sind, konnten wir unser Familienglück etwas genießen. Und nun konnten die Ärzte auch sagen was los war, unsere Tochter hatte die Nabelschnur gleich zweimal um den Hals geschlungen gehabt! Dennoch ist die OP super verlaufen, wir waren alle gesund, die Kleine war bei der Geburt knappe 4kg schwer und hatte sogar einen Abgar von 10/10 und war wirklich einfach perfekt!

Der nächste Tag sah schon etwas besser aus. Das Stillen hatte noch in der Nacht auf anhieb super funktioniert und unsere Tochter war einfach ruhig und bezaubernd.
Mein Körper kämpfte allerdings immernoch mit der Erschöpfung, an aufstehen war nicht zu denken. Nachmittags kam dann auch der seelische Zusammenbruch, die Enttäuschung mein Kind um die natürliche Geburt gebracht zu haben und dann natürlich der Hormonabfall … ich habe nur noch geweint. Immernoch steigen mir die Tränen in die Augen wenn ich an die Geburt denke und ich muss mir immer wieder sagen, dass der Kaiserschnitt einfach nötig war bei uns und der Kleinen viel Leid erspart, wenn nicht sogar das Leben gerettet hat. Ich bin einfach nur unendlich dankbar, dass sie gesund und munter ist.

Inzwischen ist die Kaiserschnittnaht schon zu einem weißen Strich verblasst und ich bin schon wieder relativ mobil. Und unsere Tochter ist wirklich ein liebes Kind und hat auch schon ihren ersten Wachstumsschub gemacht! Ich bin ganz verliebt in sie und könnte sie den ganzen Tag betrachten. Auch das Tragen im Tragetuch haben wir inzischen für uns entdeckt. Jeden Tag tun sich neue Fragen auf, fallen uns neue Dinge an unserem Kind auf, entdecken eine neue Eigenschaft an ihr (Schnuller findet sich ganz furchtbar z.B.). Jetzt müssen wir nur noch unsere Rhytmus finden …

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2 Gedanken zu “Und plötzlich dreht sich die Welt ein bisschen anders … (Ein Geburtsbericht)

  1. Michelle schreibt:

    Hallo!

    ich kann Dich sehr gut verstehen, DU sprichst mir quasi aus der Seele, weil unsere Geburt war ähnlich wie bei euch, nur das unsere Tochter nicht die nabelschnur um den Hals hatte, bei mir war einfach irgendwann Geburtsstillstand und der Muttermund hat sich nur bis zu 4 cm geöffnet.
    Aber alles andere bis auf das Stillen war wie bei Euch. Ich hab die Woche im KH auch nur geweint und das ging zu Haus enoch ganze 3 Wochen weiter weil es wie gesagt mit dem Stillen nicht so klappen wollte. Erst als die Hebamme mir geraten hat, mir Flasche zu füttern und das Stillen einfach sein zu lassen, ging es uns beiden besser!
    Jetzt beim zweiten was im März zur Welt kommt, habe ich beschlossen direkt mit Flasche zu füttern, weil diese drei Wochen waren die Schlimmsten in meinem Leben!!!

    Eine schöne Zeit euch mit der Kleinen und viel Freude mit ihr.
    Kinder sind einfach was wunderbarers!!

    LG Michelle

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